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Epilog – Rückkehren

Der internationale Flughafen von Teheran heisst “Imam Khomeini International Airport”, steht etwa 1 Taxifahrstunde vom Zentrum entfernt in der Pampa und verfügt über ein einziges Terminal mit zwei Kaffeterias im Transitbereich. Er ist recht neu und modern gebaut, die Gepäckkontrolle ist geschlechtergetrennt. Es ist ein sehr eigenartiger Ort: hochmodern mit internationalen Ambitionen, doch ein Orbit-Aussenposten des Landes, nur einer winzigen Elite zugänglich, eine Kapsel in der sich die Luft von drinnen und draussen mischt. Es muss dort eine komplizierte Anlage für den Druckausgleich geben. Bei meiner Ausreise bin ich dankbar dafür – ohne die Geschäftsreisenden mit ihren Laptops hätte ich an der Wahrscheinlichkeit meiner “normalen” Existenz zweifeln müssen und hätte mich wirklich gefürchtet, in diesem unwirklichen Alptraum gefangen zu sein und nie mehr zurück zu können wonach ich solche Sehnsucht hatte: in ein selbstbestimmtes (Frauen)Leben, in einen Beruf, den es hier nur im Untergrund gibt, in meine eigene Wohnung.

Kaum sass ich im Flugzeug an meinem Platz, klappte ich erleichtert und etwas trotzig meinen Schleier herunter. Ich war nicht die einzige. Der junge Mann neben mir fängt gleich darauf an mit mir zu plaudern – er fliege nach London, er wolle dort Städtebau studieren, er habe in Teheran schon Architektur studiert. Momentan mache er einen Sprachkurs, um Englisch zu lernen und sein Aufenthalt werde von seiner Familie finanziert. Ich bin etwas irritiert über die plötzliche Umkehrung der Sitten – hätte er mich mit Kopftuch auch angesprochen? Es ist schizophren, und ich bin auch etwas schizophren geworden: am Flughafen in Dubai ziehe ich meinen Manteau aus, aber zu meiner Überraschung bleibt das Gefühl der Befreiung aus: mir ist die plötzliche Sichtbarkeit meines Körpers unangenehm – mein T-Shirt hat keinen nennenswerten Ausschnitt, aber es ist figurbetont geschnitten und ich fühlte mich unwohl darin – ich gehe nochmals durch die Verunsicherung der Pubertät.

Das Glück überwältigt mich dann doch noch in meiner Wohnung. Seit ich zurück bin fühle ich mich stärker als zuvor. Ich geniesse die jungen Frauen, die ungeniert ihre Persönlichkeit hervorkehren, ich geniesse ihre Individualität und ihre Selbstsicherheit. Ich geniesse es Fahrrad zu fahren. Ich geniesse es, allein durch die Stadt zu gehen und sichtbar zu sein. Am meisten geniesse ich, dass dies alles selbstverständlich ist. Und ich geniesse es, zu Arbeiten.
Als ich in der Stadt einer verschleierten Frau begegne (eigentlich begegne ich einem Mann in Begleitung seiner Frau, muss ich richtigstellen) bin ich nur erleichtert, dass mich das nicht mehr betrifft.

Etappe 7: Masuleh – Teheran

Wir fahren zurück nach Teheran. Pius und Adina müssen sich um das Visum für Indien kümmern, ich werde in 2 Tagen nach Hause fliegen.

Seit heute ist Ramadan. Wir sind etwas verunsichert, was das für uns bedeutet. “What’s your problem?” meinte der Verkäufer im Laden in Masuleh zu dem Thema lapidar. Wir wissen, dass Reisende vom Fasten ausgenommen sind – aber ist es trotzdem höflich, im Bus zu essen? Wir lassen es vorerst bleiben. Als wir los wollen, hat das Restaurant unseres Hotels geschlossen, kein Mensch ist zu sehen. Auch auf den Strassen ist nicht die Hälfte los wie üblich. Der Sohn unseres Gastgebers hatte uns gestern erzählt, dass sie für die ersten 3 Tage schliessen, danach aber die Sonderbewilligung für Gastronomiebetriebe an touristischen Orten haben und wieder aufmachen, und auf die Frage, ob er fasten würde verdrehte er die Augen und sagte, das würde kaum jemand tun, das sei viel zu anstrengend.

An der Haltestelle ist kein Savari zu sehen, noch nicht mal ein Taxi. Wir befürchten schon, dass wir stecken bleiben, aber ein alter Mann mit einem uralten klapprigen Auto, das er anschieben muss, nimmt uns mit bis Fuman. Wir lehnen sein Angebot, uns für einen unverschämten Betrag bis nach Rasht zu bringen dankend ab und nehmen in Fuman ein Taxi. Wir freuen uns, dass wir die Gestaltung der Reisemodalitäten langsam im Griff haben.

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Im Taxi nach Rasht

In Rasht dann steigen wir auf den Bus nach Teheran um. Zwei junge Frauen beginnen umstandslos gleich nach dem Einsteigen damit, ihre Chips zu knabbern und ich bin sehr erleichtert und tu es ihnen gleich nach: diesmal haben wir Chips mit Ketchup-Aroma gekauft. Der Geschmack ist nicht an die Färbung gekoppelt, denn es sind nicht alle Chips rot, aber alle schmecken nach Ketchup. Wir hatten vorher schon mal Chips mit Limetten-Aroma ausprobiert, das war etwas gewöhnungsbedürftig aber nicht schlecht, säuerlich wie Chips mit Essig, aber eben mit Limettengeschmack.

das letzte Mal: stolzer Busfahrer am Terminal

Das letzte Mal: stolzer Busfahrer am Terminal. Man beachte auch die Beschriftung neben der Tür: "Oven Fries" - bezieht sich das auf die Klimaanlage? Oder doch auf die Befreiung der Reisenden vom Fasten?

und dahinter entdecken wir die Busfahrer bei Tee und Wasserpfeife, sehr diskret und gemütlich.

Dahinter entdecken wir die Busfahrer bei Tee und Wasserpfeife, sehr diskret und gemütlich im Gepäckfach.

Etappe 6: Tagesausflug nach Lahijan

Wir haben uns wieder einmal verführen lassen: wir wollen nach Lahijan fahren, durch die Teefelder spazieren, mit der Seilbahn fahren und am See sitzen.

Wir nehmen das bereitstehende, schon volle Savari nach Fuman. Hinter uns sitzen zwei französisch sprechende junge Männer und unterhalten sich darüber, wie es wohl sei, mit zwei Frauen zu reisen. “Eher Scheisse”, meint der eine. Nach und nach haben sie uns eingeordnet: “Es könnten Deutschschweizer sein”- “exactement”, kommentiert mein Bruder und die beiden winden sich, wir grinsen freundlich.

In Fuman liebt man bunte Skulpturen.

In Fuman liebt man bunte Skulpturen.

In Fuman trennen sich unsere Wege. Anscheinend sind die Taxifahrer dort organisiert und haben sich ihre Reviere aufgeteilt: sie schicken uns immer weiter durch die Gassen, wo uns die Einheimischen meist offen anstaunen, bis wir endlich den Stand mit den interstädtischen Taxis gefunden haben. Wir fahren direkt über Rasht nach Lahijan, die Fahrt dauert fast 2 Stunden, wir haben die Strecke unterschätzt.

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Der See von Lahijan. Im Hintergrund der Berg, AUF dem eine Seilbahn die Touristen herumgondelt.

Skulptur im Park von Lahijan

Die Skulptur im Park von Lahijan erinnert daran, dass wir uns in der Hauptstadt des Teeanbaugebietes befinden.

In Lahijan schlägt uns feuchte Hitze entgegen, kein Lüftchen regt sich. Innerhalb von 3 Minuten sind wir schweissnass und erschöpft. Nach einer halben Stunde auch enttäuscht: der See ist eine grosse Betonwanne, die Reisfelder nicht zu sehen und um die Seilbahn zu erreichen, muss man zuerst (!) auf den Berg steigen, dann kann man in Gondeln über die Hügel schweben. Wir fühlen uns wegen der Hitze nicht imstande dazu, beschliessen aber tapfer, doch noch zu bleiben und das Boq-e Sheikh Zahed zu besuchen, ein Mausoleum. Die Strasse führt durch ein Neubauquartier mit Mehrfamilienhäusern in allen Stadien der Fertigstellung statt über die Teefelder wie im Lonely Planet beschrieben war. Die Hitze gibt uns den Rest, nach 1/3 der Strecke geben wir auf und suchen ein Taxi, das uns hinfährt.

Boq-e Sheikh Zahed

Boq-e Sheikh Zahed

Devotionalien im Mausoleum. Das Motiv auf dem Teppich begegnete uns schon auf Lastwagen und Fernbussen.

Devotionalien im Mausoleum. Das Motiv auf dem Teppich begegnete uns schon auf Lastwagen und Fernbussen.

Wir trinken am grossen Kreisel schicksalsergeben noch eine Tasse Tee, der uns noch mehr schwitzen lässt und fahren dann wieder 2h zurück im Taxi nach Rasht. Unterwegs wieder ein Halt an einer Erdgastankstelle, diesmal dürfen wir sitzen bleiben (eigentlich müssen alle sicherheitshalber aussteigen beim Gastanken, das Personal der Tankstellen wacht darüber).

Die Moschee in Rasht

Die Moschee in Rasht

Wir durchfahren Rasht zum 3. Mal auf dem Nachhauseweg und sind inzwischen überzeugt: diese Stadt hat kein Zentrum. Wir sind froh, haben wir uns nicht wie ursprünglich beabsichtigt, in Rasht getroffen – wie hätten wir uns hier finden sollen? Nicht einmal der Taxifahrer kennt sich aus. Nachdem er 3 Runden durch die Stadt gedreht hat ohne den Terminal der Busse nach Fuman zu finden, schlägt er uns vor, uns direkt dorthin zu fahren. Ist ok für uns, aber nur bis Fuman! Dort steigen wir bei der Kutschenskulptur hastig aus und finden ein leeres Savari, das uns zum Terminal bringt, wo der Anschluss grad abfahren will, denn der Sammelbus ist gesteckt voll. Man nimmt uns aber trotzdem mit – die ersten 20 Minuten stehen wir im Mittelgang und bemühen uns, den Mitreisenden unsere Hintern möglichst nicht ins Gesicht zu strecken. Sie rutschen nach und nach zusammen, nach etwas Gerangel haben wir alle geschlechtsspezifisch passende Sitzgelegenheiten (wenn auch nur mit dem halben Hintern) und für meinen Bruder wird noch ein Klappsitz herausgeklappt.

das vollgepackte Savari von innen - im Rückspiegel der Innenraum, daneben ein improvisierter Fernseher, denn was ein richtiger Bus sein will, zeigt Filme während der Fahrt.

Das vollgepackte Savari von innen - im Rückspiegel der Innenraum, daneben ein improvisierter Fernseher, denn was ein richtiger Bus sein will, zeigt Filme während der Fahrt.

Nachdem wir einen Tag lang mit Taxifahrern radebrechend Preisverhandlungen geführt hatten, bei denen wir nur erreichen konnten, statt unverschämt nur ums doppelte übers Ohr gehauen zu werden, sind wir sehr froh über die unkomplizierte Komplizenschaft in den Low-Level öffentlichen Verkehrsmittel. Die Fahrt von Fuman nach Masuleh kostet im Savari umgerechnet 50 Rappen pro Person, und nie hat ein Fahrer versucht einen anderen Preis zu verlangen.

Etappe 5: Isfahan – Teheran – Rasht – Masuleh

Wir fahren mit dem Nachtbus nach Teheran und kommen dort in der Morgendämmerung an. Unser Chauffeur rennt mit uns über den Parkplatz, durch die Schalterhallen und besorgt uns in aller Eile ein Ticket nach Rasht, sodass wir gleich weiterfahren können. Ich hätte lieber eine kurze Pause eingelegt, meine Glieder gestreckt und Tee getrunken, aber wie so oft fragt uns niemand. Immerhin können wir kurz auf die Toilette.

Dann gehts gleich weiter in einem orangenen Bus Richtung Norden, in die Provinz Gilan am Kaspischen Meer.

Zwischenhalt auf dem Hochplateau zwischen Teheran und Rasht. Hinter dem Haus fanden sich leider nur eine stinkende Müllhalde und aggressive Hunde statt der erhofften Aussicht.

Zwischenhalt auf dem Hochplateau zwischen Teheran und Rasht. Hinter dem Haus fanden sich leider nur eine stinkende Müllhalde und aggressive Hunde statt der erhofften Aussicht.

Blick vom Parkplatz auf die Strasse nördlich Richtung Rasht

Blick vom Parkplatz auf die Strasse nördlich Richtung Rasht

Ein paar Hundert Kilometer später verändert sich die Vegetation: die trockenen Weiten werden grün und bewaldet, eine Wohltat für unsere Augen. Wir leben auf. In Rasht lässt man uns irgendwo in der Vorstadt aussteigen und wir stehen etwas orientierungslos in der Mittagshitze herum, werden aber gleich von einem korpulenten lauten Taxifahrer in sein Fahrzeug spediert, der nicht mal über den Preis sprechen will. Das kommt uns unheiverheissend bekannt vor, darum bestehen wir darauf, dass er uns nur bis zur Savari-Haltestelle fährt. Dort ist aber das Savari nach Fuman schon weg und so handeln wir mit einem netten jungen Fahrer aus, dass er uns für 10′000 Toman (rund 10 CHF) direkt nach Masuleh fährt. Die Fahrt ist sehr angenehm, sie geht über lange Alleen entlang von Reis- und Teefeldern und der Fahrer hält sogar für uns an, als er merkt, dass wir gerne Fotos machen möchten.

Reisfelder zwischen Rasht und Fuman. Ganz klein zu erkennen ein Bauer mit einem grossen Strohhut. An den Strassenrändern spazieren auch Kühe herum, das ganze fühlt sich sehr asiatisch an.

Reisfelder zwischen Rasht und Fuman. Ganz klein zu erkennen ein Bauer mit einem grossen Strohhut. An den Strassenrändern spazieren auch Kühe herum, das ganze fühlt sich sehr asiatisch an.

Teeplantagen zwischen Rasht und Fuman. Die Ordentlichkeit der Felder ist überwältigend.

Teeplantagen zwischen Rasht und Fuman. Die Ordentlichkeit der Felder steht in grossem Kontrast zum sonstigen allgegenwärtigen Dreck und Müll entlang der Strassen.

Nach Fuman, einer kleinen lebhaften Stadt, wo wir jedesmal wenn wir vorbeikamen, die lokalen frischgebackenen Kuchen kauften (so eine Art Biberli mit einer Kardammon-Füllung, welche noch heiss verkauft werden), wird die Landschaft bergig und wir fahren fast eine Stunde lang immer weiter ins Tal hinein. Es ist eindeutig eine beliebte Ausflugs-Gegend, lauter Picknickplätze säumen die Strasse, hin und wieder kleben kleinste Dörfer kleben am Hang neben der Strasse. Die Luftfeuchtigkeit beträgt laut Pius Gerätli um die 60%, aber die Temperaturen sind mit 28 Grad sehr angenehm.

Masuleh

Masuleh

Masuleh, wir sind am Ziel und begeistert. Das uralte aus Lehm gebaute Städtchen klebt am Berghang, jedes Dach ist der Boden der darüberliegenden Häuser. Hier endlich treffen sich die Empfehlungen und unsere Erwartungen. Neben uns flanieren viele iranische Touristen durch die Gassen, viele Teheraner kommen hierher wegen dem Klima: Regen und Nebel als Touristenattraktion. Wenn wir ihnen von den Hochnebelwintern in der Schweiz erzählen, weigern sie sich schlicht und einfach, dieses Märchen zu glauben.

Gegen Abend kommt der Nebel

Gegen Abend kommt der Nebel

Nachts wird ein schwenkbarer Scheinwerfer angeschaltet, wie er bei uns von Diskos verwendet wird. Wir sind befremdet – was soll die Action in diesem verschlafenen Dorf? Wir verstehen erst, als abends die Nebelfetzen durch das Tal ziehen. Der Scheinwerfer inszeniert das Klima, nicht das Dorf. Alles klar.

Etappe 4: Shiraz – Yasuij – Shahr-e-Kord – Isfahan: Berge, Klüfte und die Grenzen der Kommunikation

Wir haben unsere Pläne, nach Kurdistan in die wilden Berge zu fahren aufgegeben, weil der erste Versuch, uns ausserhalb der touristischen Zentren zu bewegen in einem finanziellen und nervlichen Fiasko geendet ist.

Von Shiraz aus wollten wir durch das Zagros-Gebirge zurück nach Isfahan fahren, die Route wird im Lonely Planet als atemberaubend beschrieben, ist aber wahrscheinlich per Motorrad getestet worden. Öffentliche Verkehrsmittel fahren dort nicht durch, oder für in einer uns unzugänglichen Weise – jedenfalls wurden alle Fragen nach Bus oder Savari mit einem “no no, Taxi” beantwortet. In Yasuj, wo wir als einzige Fremde wirklich bunte Hunde waren, hat uns die sehr freundliche Hotelmanagerin einen Taxifahrer mit der Vermittlung eines Ferntaxis beauftragt, und soweit hat das auch gut geklappt.

Die Landschaft zwischen Yasuj und Pataveh

Die Landschaft zwischen Yasuj und Pataveh

Unser Taxifahrer wäscht sein Auto, indem er einfach unter einem Wasserhahn durchfährt. Man beachte die zur Schonung in Plastik eingepackten Sitze.

Unser Taxifahrer wäscht sein Auto, indem er einfach unter einem Wasserhahn durchfährt. Man beachte die zur Schonung in Plastik eingepackten Sitze.

Auf dem Feld vor dem Dorf wird Reis angepflanzt. Die Autos im Vordergrund und die zwei Kinder gehören zu einer Picknickgesellschaft etwas weiter oben am Hügel, am Rande eines sumpfigen Bächleins.

Zwischenhalt: Die Autos im Vordergrund und die zwei Kinder gehören zu einer Picknickgesellschaft etwas weiter oben am Hügel am Rande eines sumpfigen Bächleins. Der Mann unter dem Baum ist unser Taxifahrer beim Nachdenken darüber, wie er sich am besten um die unangenehme Route drücken kann.

Pataveh Hauptplatz, Blick aus dem Taxi während dem die Verhandlungen über unseren Weitertransport laufen.

Pataveh Hauptplatz, Blick aus dem Taxi während dem die Verhandlungen über unseren Weitertransport laufen.

Dann nach einem Viertel der Strecke durch wunderschöne, vom Wind gerundete Berge, bedeckt mit einzeln stehenden Bäumen und feinem gelben Gras in den Senken, hat uns der Fahrer, mit dem wir uns mit fertigen Phrasen aus dem Kauderwelschbuch unterhielten und uns prächtig amüsierten, für die Hälfte des Geldes an einen anderen Fahrer weiterverkauft – ein junges arrogantes Schlitzohr, der plötzlich von der Bergroute nichts mehr wissen wollte, nur Englisch verstand wenn es ihm passte und uns die ganzen restlichen 3 h über die Schnellstrasse auf dem schnellsten Weg durch die sonnenverbrannte Gegend brauste – kurz, ein gutes Geschäft machen wollte. Ein Missverständnis mit dem Zielort brachte uns dann noch eine Polizeidrohung und eine saftige Nachzahlung für 15 km Umweg (auf ca. 300 km total) ein.

Aussicht von der Passstrasse zwischen Shahr-e-Kord und Isfahan

Aussicht von der Passstrasse zwischen Shahr-e-Kord und Isfahan

Wir fahren zurück nach Isfahan in einem alten Mercedes-Bus und sind glücklich über die unkomplizierte Fahrtgemeinschaft im überhitzten und langsamen Bus. Mein Bruder wird sofort von den jungen Männern in Beschlag genommen, das Erstaunen über die Anwesenheit von Ausländern in dieser Gegend ist gross.

Etappe 3: Yazd – Shiraz

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Abends um 7, etwa einenhalb Stunden vor Shiraz, die Sonne geht unter und es wird kalt im Bus, da die Klimaanlage noch immer volle Kraft läuft. Die Frauen decken sich und ihre Kinder mit dem Tschador zu. Es herrscht Stille. Plötzlich grosses Gelächter und Aufregung auf den Sitzen schräg hinter uns. Die Klimaanlage leckt: es giesst Wasser durch die Lüftung auf die Familie hinter uns, nicht nur Tropfen sondern einer richtige Dusche, der Vater hält einen Plastikbeutel hin, um den Sitz trocken zu halten. Der Fahrer schaltet die Klimaanlage aus, es wird wärmer, alle sind zufrieden. Eine angenehme Fahrt, denke ich.

verstopfte Ohren

Wir sind in Yazd, einer Stadt am Rande der Wueste mit einer wunderschoenen Altstadt aus Lehm. Hinter einer dieser Lehmmauern sitzen wir im Innenhof unseres Hotels im Garten und trinken Tee nach dem Abendessen, die Hitze kuehlt langsam aus, die Katze streunt durch die Pflanzen. Ich bin muede, mein rechtes Ohr ist verstopft und ich hoere nur sehr beschraenkt, Gespraeche sind sehr anstrengend. Ein Guide preist seine Desert-tour 1 fuer Morgen an und fragt, ob wir mitkommen wollen. Mein Bruder sagt ihm, dass wir leider nicht koennen, weil ich morgen ins Spital muesse. Eine Sekunde erschrockene Gesichter und schweigen. Dann ist die Hilfsbereitschaft nicht mehr zu stoppen und um 22.30 uhr fahren wir los in die Notaufnahme des besten Spitals. Der einweisende Arzt ist begeistert, eine Auslaenderin vor sich zu haben und nuetzt die Gelegenheit um ausfuehrlich zu plaudern. Der Ohren-Spezialist ist dann aber eher enttaeuscht von der Schwierigkeit des Falles und saugt mir das Ohr wieder frei. Eine Stunde war ich dort, in etwa 4 Behandlungszimmern, 3 Schwestern tippten Berichte fuer mich und schliesslich bezahlte ich 7 Franken umgerechnet. Tolle Sache, wirklich. Und ich hoere wieder.

Mein Kamera-Chip ist das erste Mal voll, auch der Audio Chip. Die Aufnahmen sind toll: mein Favorit ist die Blasmusik vom Imam Square in Isfahan, und der Anfang der Busfahrt mit dem 60er-Jahre Mercedes Bus von Isfahan nach Yazd. Ich suche schon mal einen Uebersetzer fuer die Dialoge des Busfahrers mit seinem Mitfahrer! Kennt jemand einen Farsi-Englisch Translator?

Morgen gehts weiter nach Shiraz, aber hoffentlich mit Klimaanlage…

am Rande der Wüste Dasht-e Lut bei Yazd

Wir haben eine Tour gebucht: Desert Tour 1: Yazd – Meybod – Chak Chak – Kharanaq. Mein Bruder ist etwas enttäuscht, denn seit Marokko rufe ihn die Wüste, aber es ist zu wirklich zu heiss, bestätigen uns auch die Führer: es werden im Sommer keine Touren in die Wüste angeboten. Wir fahren also in die Berge am Rande des Dasht-e Lut, durch eine Backofenhitze. Wir haben 5 Eineinhalbliterflaschen Wasser dabei für den ganzen Tag. Wir wagen uns nicht zu fragen, wie weit das Wasser im Falle einer Panne reichen würde. Ich trage immer Sonnenbrille, ich ertrage die grelle Helligkeit des Lichtes kaum. Die Einheimischen scheinen weniger Probleme damit zu haben.

mit unserem Driver durch die Wüste. Die Frauen sitzen hinten, wir haben 5 Flaschen Wasser dabei für je 2 h Fahrt durch die Backofenhitze.

Mit unserem Driver durch die Wüste. Die Frauen sitzen wie immer hinten, wir hören Techno.

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zuerst das flache Land, am Horizont schweben Berge

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Täler ohne Wege. Ich habe immer das Bild eines alten Mannes auf seinem Esel vor den Augen. Woher hab ich das nur?

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Aussicht von Chak Chak aus

Aussicht von Chak Chak

Etappe 2: Isfahan – Yazd

Wir sind aufs Geratwohl zum Terminal gefahren und stehen jetzt orientierungslos in der Halle und versuchen, Tickets für einen Bus nach Yazd zu bekommen. Am ersten Schalter Fehlanzeige – der nächste Bus geht erst in 11 Stunden. Adina und Pius klappern die Schalter ab, währenddem ich aufs Gepäck aufpasse. Sie kommen lachend zurück: “wir haben etwas, aber keine Ahnung was – wir haben nur 3.50 Franken bezahlt, für alle!” Na gut, Terminal 8 steht auf dem Fahrschein und noch steht da kein Bus. 10 Minuten vor der planmässigen Abfahrt geht uns auf, dass der alte wunderschöne Mercedes auf Terminal 7 doch unser Bus ist. Wir sind begeistert und machen Fotos, die Einheimischen lachen mit uns.

Mercedes Bus "super deluxe"

Mercedes Bus "super deluxe"

Wir bekommen wieder die Ehrenplätze vorne und Tee aus der Thermoskanne des Fahrers. Es geht los. Der Bus ist offensichtlich auch so etwas wie ein Postauto, wir machen einige Zwischenhalte bei der Ausfahrt aus der Stadt, die Rückbank wird mit Paketen vollgepackt, der Fahrer hat einen Brief in Empfang genommen und mehrmals sind noch Leute zugestiegen. Bei der Handbremse sieht man auf die Strasse durch und die Geräuschkulisse ist spektakulär. Vorne neben dem Fahrer ist ein grosser runder Wasserbehälter aus Chromstahl und alle Reisenden haben Tassen oder Schalen bei sich, die sie unterwegs auffüllen gehen.

Die Damen auf den Ehrenplätzen

Die Damen auf den Ehrenplätzen

unterwegs ein Dorf

Unterwegs ein Dorf und die obligaten Stromleitungen entlang der Strasse

und das leere Land

Leeres Land

Aufmerksamkeit

Natuerlich sieht man uns die Auslaender an. Manchmal fuehle ich mich wie ein Popstar: Kinder staunen und lachen uns an und freuen sich sehr, wenn wir ihnen zuwinken, picknickende Gruppen rufen uns ein “Hello, how are you” zu, drahtige alte Arbeiter im Bazar strahlen uns mit einem “Salaam” an, und freuen sich, wenn wir reagieren und die Jugend probiert ihr Englisch mit uns aus. Wenn wir einfach herumsitzen und Eis essen oder Tee trinken, kommen die Leute zu uns um etwas zu plaudern, meist wollen sie wissen, woher wir kommen, was wir arbeiten und wie lange wir im Iran bleiben wollen (in dieser Reihenfolge), manchmal ergeben sich auch laengere Gespraeche, manchmal bekommen wir so Begleitung zum Abendessen und auf dem Nachhauseweg schliesst sich uns dann noch einer an. Wir sammeln Email-Adressen und Telefonnummern.

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